Die Arbeit gilt gemeinhin als sinnlich-konkrete Tätigkeit. Dass ihr in der bürgerlichen Gesellschaft auch eine abstrakte Dimension anhaftet, wird selten realisiert. In den klassischen Arbeitswerttheorien von Smith und Ricardo blieb sie unerwähnt, obwohl sie den abstrakten ökonomischen Werts aus der Arbeit hervorgehen sahen. Erstmals nähert sich Hegel dieser Dimension mit seinem Begriff der abstrakten Arbeit an, um sie zugleich als Quelle des ökonomischen Werts vorzustellen. Allerdings mangelt es Hegels Begriff an Eindeutigkeit. Das Problem der Mehrdeutigkeit setzt sich auch bei Marx fort, als er den Begriff der abstrakten Arbeit aufgreift: Nicht nur unterscheidet sich sein früher Begriff der abstrakten Arbeit von dem, den er ab 1858 zur Begründung seiner Werttheorie verwendet. Auch ordnet Marx seinem späteren Begriff gesellschaftliche und natürliche Bestimmungen zu, ohne darzulegen, wie sich diese zu einem schlüssigen Konzept integrieren lassen. Es verwundert daher kaum, dass in der marxistischen Debatte ein Streit darüber entbrannt ist, wie der Begriff der abstrakten Arbeit adäquat auszulegen sei. Infolgedessen hat sich ein Spektrum herausgebildet, das in seinen Extremen von rein naturalistischen bis zu rein gesellschaftlichen Lesarten reicht. Das Buch stellt die verschiedenen Begriffe der abstrakten Arbeit und ihre jeweiligen Problematiken vor. Zudem unterbreitet es einen Vorschlag, wie diese Probleme mittels eines neuen Begriffs der abstrakten Arbeit überwunden werden können. Dies ist bedeutsam, weil ohne ein richtiges Verständnis der abstrakten Arbeit die Marxsche Analyse und Kritik der kapitalistischen Produktionsweise nicht adäquat erschlossen werden kann.
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