Im Fenstereck eine kugelbäuchige Spinne, die den sie irritierenden, alle zwanzig Sekunden schwirrenden Flügel einer ihr ins Netz gegangenen Fliege mit Klebefäden fixiert. Sie scheint ihrem Opfer in regelmäßigen Abständen Gift zu verabreichen (in die Unterseite des Hinterleibes, in den Nacken). Eine Wespe, die am Fensterglas sitzt, hat wohl einen der Spinnfäden berührt - verstört reibt sie ihr spitz zulaufendes Hinterteil am rechten Hinterbein. Hammudi wird auf meine Aufmerksamkeit aufmerksam, kommt, einen rosa Lappen in der Hand, zu mir und fragt mich, was es da gebe; als er die mittlerweile die Fliege aussaugende Spinne erblickt, beendet er handstreichs die Mahlzeit und verjagt dann auch noch, nach einem etwas zweifelnden Blick zu mir herunter, die am Fenster auf und nieder zappelnde Wespe ("Ist das tödlich?", fragt er; "...tödlich wohl nicht", entgegne ich lachend, "aber sei vorsichtig - sie kann dich stechen!"), indem er sie (waghalsig!) mit dem in der Hand zusammengebauschten Putzlappen fängt, sie nach draußen trägt und in die Luft entlässt.
Alexander Muno, geboren 1979, Komponist, Leser, Schreibender. Neben die Musik (bisher zwei Opern, Orchesterwerke, Kammermusik) tritt seit einigen Jahren, angeregt vor allem von französischen Diaristen, das Projekt eines literarischen Tagebuches, der Verwandlung täglichen Lebens in sprachliche Form. Dabei entsteht ein buntes Mosaik aus öffentlichem und privatem Erleben, aus Begegnungen und großstadteinsiedlerischem Rückzug, aus der Beschäftigung mit Literatur und Sprache und den O-Tönen einer Berliner Kaffeehausexistenz.
Es sind momentan noch keine Pressestimmen vorhanden.